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Die kleine Kneipe
Er sass an der Theke und blickte ins Glas. Die Zeit hatte er längst vergessen und der Barmann hörte ihm zu: Das Zertrümmern von Schaufenstern und das Abfackeln von Autos sei zwar in Ordnung, zeitige aber keinen umstürzlerischen, sondern, im Gegenteil, einen systemerhaltenden Effekt. Der Spiessbürger brauche schliesslich die Chaoten zur Selbstvergewisserung und auch den Bullen freuts, kann er doch endlich wieder mal die Sau rauslassen. Solcherlei hatte er damals, spindeldürr,
Caspar Reimer
vor 15 Stunden3 Min. Lesezeit
Religionen
Jede Religion muss von sich behaupten, die einzig wahre zu sein. Die Gläubigen einer jeden haben ihre Häuser für Gebete und Rituale. Ein „Haus der Religionen“, wie es das beispielsweise in Bern gibt, ist irgendwie befremdlich - eine naiv inszenierte Ökumene. Wie auf dem Rummelplatz sind sozusagen Buden an Buden gereiht und zeigen ihre Kulte: lauter absolute Ansprüche als „tableaux vivants“ des ewigen Friedens. (2022) Atheismus & Aberglaube Brennende Atheisten si
Roland Müller
vor 15 Stunden1 Min. Lesezeit
Schattenfuge
Dass ichs verwind: Weiss schon zuviel Das kleine Kind Und strebt ans Ziel. Wie programmiert Damit nichts passiert. Die Zeitung frisst Der Abonnent Und Mensch und Christ Die er schon kennt. Wie programmiert Damit nichts passiert. Nur nachts im Traum Im Schatten der Welt Zerknittert der Raum Das Stundenglas fällt Und die Seelen träufeln Ins Nirgendwo Zu allen Teufeln Oder so.
Daniel Costantino
vor 16 Stunden1 Min. Lesezeit


Schreiben, wozu?
Es gibt Menschen, die schreiben. Einfach so. Jener, der sich dazu bekennt, erntet nicht selten Ratlosigkeit: «Du schreibst? Aha… und was machst du sonst noch?» Besser ergeht es dem Zeitungsschreiber. Seine Zeilen füttern die Demokratie. Der Journalist schreibt für den höheren Zweck und Kontostand. Er muss nicht fragen wozu, trägt er doch die Bürde der vierten Gewalt und, wenn’s hochkommt, zeitigt seine Arbeit Früchte für alle: Ist dieser Politiker noch tragbar? Nein, ist er n
Caspar Reimer
29. Juli1 Min. Lesezeit
Tod & Auferstehung
Wenn mal wieder ein Bekannter gestorben ist, hat man oft so alberne Gedanken wie „hat’s nun also den erwischt“, als wäre er in einer von wem auch immer erstellten Todesreihenfolge vor mir platziert worden. Oder als gäbe es diesen Tod wirklich, der da umhergeht und einsammelt. Natürlich kommen solche Gedanken mit nur halbem Ernst auf, und sie haben auch etwas Schelmisches an sich, das die Nachdenklichkeit verbietet und auch den geforderten vollen Ernst, der dem Tod sein böser
Roland Müller
29. Juli2 Min. Lesezeit
papa goll und mamma goll
papa goll und mamma goll sind onkel und tante haben sich lieb mamma goll und papa goll fauchen kette aba haben sich lieb sind asso zia zio fauchen kette aba haben sich lieb zio zia ! erst faucht zio dann faucht zia dann faucht asso das ist der hund zio zigoll zia zigall zia tigall zio tigoll asso ziahat an der leine soll man lachen oder weinen? faucht papa groll faucht mamma gall und asso faucht auch faucht mamma gall faucht papa groll bis asso stirbt frisst und
Daniel Costantino
29. Juli1 Min. Lesezeit
O du Holde
Manchem Künstler, dem Geld gilt, hängt an geperlten Frauenkrawatten das Glück und sein Tao, mediterraner Balkon, Krux des Künstlerdorfs schwankendem Fels, o taumelnder Topf, Spritzer hoch der suppenen Küste. Sonne du tägliches dreigestrichenes C. Klipp klapp. Wer Kunst sagt, ist Kunst. Ist Himmelstor Kunst, fix und rezept. Ihr Aufgang im Rauschen der Automobile. Raben maledeien den Morgen, die Orgien des Traums, kreischende Körper Samengesang oder Genderpendang. Chemie des Mo
Daniel Costantino
22. Juli1 Min. Lesezeit
Aus dem Archiv 1
Rebell Eine Lebenskraft, die sich aus dem Widerstand gegen die herrschende Ordnung speist, die damit ein grösstmögliches Mass an intellektueller und emotionaler Eigenständigkeit – frei jeder aufgepfropften Identität und Lebensweise – zu erhalten oder zu erreichen versucht, angetrieben vom Trotz, der Widersprache und der Suche nach Erkenntnissen über Welt und Existenz, kommt mit dem Bedürfnis, der Verlorenheit im Leben durch Anpassung an Konventionen vorzubeugen, immer wieder
Caspar Reimer
22. Juli2 Min. Lesezeit
Notizen 13
Manchmal kitzelt es mich, wieder Politik, das Weltgeschehen aus europäischer Sicht, zu kommentieren. Jedoch lasse ich es bleiben, da es nichts gibt, was nicht schon gesagt worden wäre. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Es soll mir nur keiner mit Jammern kommen! Oder doch: In Deutschland schwimmen die Scharfmacher wieder oben auf. Nein, ich spreche jetzt nicht über die AFD, sondern von einer Elite aus Politik, Wirtschaft und Medien, die das Land auf Kriegskurs trimmt. Als Ausrede d
Caspar Reimer
15. Juli1 Min. Lesezeit
Wunder & Heilige
Wunder kennt man nur vom Hörensagen - Man. (2009) Der Kranke tut gut daran, nicht an ausserordentliche Heilung zu denken. Gewöhnliche (gesunde!) Hoffnung muss ausreichen. Sollte die Heilung wie ein Wunder aussehen, lassen Sie sich von ihrem Arzt beruhigen. (2018) Nichts hindert den Gläubigen daran, in Wundern nichts Kurioses zu sehen. Er kann sogar fest davon überzeugt sein, nicht zum Narren gehalten zu werden. Einem Bekennenden zeigen sich Glaubensinh
Roland Müller
15. Juli2 Min. Lesezeit
summertime
summertime die broker kleben mit den krawatten an den fenstern der wallstreet und hängen am hellichten tag unter manhattans sonne jalousie zwei hirne in einem ich kippe in die wohnung die flasche halbleer das wort für dich heisst liebe dich
Daniel Costantino
15. Juli1 Min. Lesezeit


Barfuss
Man muss sich immer neu erfinden. Das scheint mir der einzige Weg, um der Vorhersehbarkeit, der Monotonie und der Trägheit zu entrinnen. Dieses Vorhaben zeitigt Wunderliches: Neulich habe ich damit angefangen, barfuss Spaziergänge zu unternehmen. Der Rest des Körpers ist in gepflegte Kleidung gehüllt. Dieser stilistische Bruch am unteren Ende sorgt für Irritation bei den Passanten, und mir geht’s gut dabei. Seither sehe ich mich selbst mit anderen Augen, kenne mich gar nicht.
Caspar Reimer
8. Juli1 Min. Lesezeit
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Fotos: www.pixabay.com
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